Rückblicke 2009

Bernhard Schrock, Malerei und Grafik

Bernhard Schrock, 2008, O.T., 50 x 20 cm, Tusche

Die Dinge kehren an ihre Orte zurück

10.4. - 17.05 2009

Als sich Bernhard Schrock als Künstler zu behaupten begann, gaben ihm die Menschen, die mit ihren Tieren in seiner, seit seiner Kindheit vertrauten ländlichen Umgebung lebten, Impulse für die überzeugenden Arbeiten seiner frühen Zeit. Sie weisen über den unmittelbaren zeitlichen und thematischen Rahmen hinaus und beeindrucken spätestens in der Rückschau, nach der Veränderung herrschender gesellschaftlicher Strukturen, durch ihre Klarheit, Eigenständigkeit und Allgemeingültigkeit. Ein ergreifendes Hell/ Dunkel, die Spannung der Linie zur Bezeichnung des Raums und der tiefe Klang erdschwerer Farbreduzierung kennzeichnen sie.

Seine Bildkompositionen werden mehr und mehr durch einen Rhythmus bestimmt, der an die Strenge Bachscher Fugen erinnert oder Grundlage für freie Improvisationen bietet. Farbe, Licht und Bewegung werden selbst zum Bildgegenstand und geben ihm expressive Kraft.

Folgt man wie Bernhard Schrock den Texten von O. Paz und L. Cernuda findet man sich vor Abgründen des Daseins. Schrock sucht diesen Angriff auf die Grenzen dessen, was wir fühlen wollen, im Bild zu begegnen, eine Balance zu finden, ohne zu verharmlosen. All seine Erfahrungen fließen hier ein. Es erstarren die erschrocken vibrierende Linie, der schrille Kontrast. Unaufhaltsam das schweigende Versacken des Gegenstands in haltloser Fläche.

In seinen neuen Arbeiten kombiniert er zeichnerisch Gebautes mit der Collage und einer Farbästhetik, die dem Besucher seiner Ausstellung in der Burg Klempenow Anregung und Genuss verspricht.

Sabine Grundmann, Textildesign

Sabine Grundmann, Sommertraum ,1990, Shibori auf Ziegenpergament, genäht · 260 x 170 (Detail)

Nichtsdestotrotz schweben die Vögel am Abend, so wie ich es träume

23.05. - 28.06.2009

Die Galerie in der Burg Klempenow zeigt eine Ausstellung, die mit lichter Leichtigkeit zarter Umhüllungen die alten wehrhaften Räume zu neuer Lebendigkeit weckt und den Faden uralter Handwerkskunst weiter spinnt. Auf diese Weise stellt sie eine Verbindung zur Entstehungszeit der Burg im 13. Jahrhundert her.
Sabine Grundmann, 1962 in Leipzig geboren, brachte die Liebe zur Buchbinderei und Weberei mit, ehe sie an der Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein Textilkunst studierte. Schon vor dem Diplom 1991 entdeckte sie die japanische Färbetechnik Shibori für sich und experimentiert seither mit unverdrossenem Erfindungsreichtum an der Weiterentwicklung von Färberei und Struktur. Ob farbenprächtige Objekte aus Pergament, große Kokons aus Weide, filigrane Schilde aus Flechtrohr oder transparente High-Tech-Stoffe; jedes spannende Material wurde auf seine künstlerische Verwendbarkeit getestet und in völlig neuer Form präsentiert. Die zauberhafte Umkleidung des Körpers ist eine logische Folge dieser intensiven Arbeit, ob mit schmetterlingszarten Stoffen, farbigen Plissees oder räumlich feiner Flechtkunst.
Ganz neu sind reduzierte traumhafte Tuschzeichnungen und ein Ausflug in die Raku-Keramik, wo die Wandelbarkeit der Glasuren und die Verformungen des Materials Verwandtschaft zur Shibori-Kunst ahnen lassen.

Karlheinz Wenzel, Arbeiten auf Papier

Karlheinz Wenzel, Fabeltier, 1997. Mischtechnik. 62 x 85 cm

Aus vollen Laden

04.07.-.02.08.2009

 

Karlheinz Wenzels Malerei besticht durch einen virtuosen Umgang mit Farbklängen und Strukturen. Gegenstand, Atmosphäre und Emotionalität sind genauestens empfunden und teilen sich in ihrer Sinnlichkeit direkt dem Betrachter mit, der das Flimmern der Wüste, erdige Gewächshausschwüle, die Kraft des Sturms, der von See aus das Ufer zerpflückt, zu spüren meint oder sich daran erinnert, wie er von Gewittergüssen klatschnass über Pfützen springend nach Hause eilt. Das Erlebnis von Licht und Landschaft ist oft Ausgangspunkt einer genialen Bildfindung in der Fläche. Karl Hofers Worte treffen genau Wenzels Intention wenn er schreibt: "Es besteht für mich keinerlei prinzipieller Unterschied zwischen nichtgegenständlicher und gegenständlicher Darstellung. Für ein Bild, das nach den Gesetzen des bildnerischen Kontrapunktes geschaffen und empfunden ist, bleibt es gleichgültig, ob seine Gestaltung Objekte innerer oder äußerer Anschauung zum Vorwurf hat."

Bernard Misgajski, Bilder und Skulpturen in Stahl

Bernhard Misgajski, Konstruktion 28/R1

Ferrum

08.08.- 13.09.2009

 

Aus Granit und Stahl sind die von Bernard Misgajski geschaffenen Konstruktionen. Abstrahierte Wirklichkeit oder tatsächlich freie Gestaltung; Bernard Misgajski erreicht durch starke Konzentration der Form auf das Einfachste und Ursprüngliche eine beeindruckende Klarheit, die in unserer überbordenden Welt des Konsums, in der sich viel Überflüssiges wichtig macht, eine Erholung der Sinne bewirkt. Diese werden wiederum herausgefordert und ihrer Sensibilität geschmeichelt, wenn man zum Beispiel das Rosten als einen schöpferischen Prozess der Verwandlung, des Erweichens, ja der Belebung einer starren, kalten Oberfläche begreift.

Axel Heller, Photographie

Axel Heller, INDIEN, 2007

Das tote Tier

19.09.-.19.10.2009

Den 1962 in Rostock geborenen Axel Heller hat die Suche nach einer ihm gemäßen Lebens- und Ausdrucksform zur künstlerischen Fotografie geführt, die untrennbar mit ausgiebigen Reiseerfahrungen verbunden ist. Er begreift das Reisen ganz ursprünglich; sich auf den Weg machen, sich mit Anstrengung und Offenheit einer unbekannten Kultur nähern. Als Fremder Unerwartetes zu erleben und zu bestehen, schärft sein soziales Empfinden. Seine große Lust am Neuen, Andersartigen, verbunden mit einer sensiblen Achtsamkeit an direkten Berührungspunkten, schaffen universelle Verbindungen in Raum und Zeit. Wollen, Können, Entdeckung kulminieren im Moment eines zarten Flügelschlags - vor seiner Fotografie, steht man beglückt und bestürzt zugleich, meint, dieses Universelle zu spüren. Ein Maß für Kunst und Leben, kristallklar und unausweichlich!
Das Tier, in seinen Werken scheint dicht mit den Menschen verbunden zu sein. Sie haben mit ihm gelebt, seine Fähigkeiten genutzt, es getötet und sie werden es verspeisen.
Glück für den, der seinen Hunger stillen kann! Das Tier wird nicht verniedlicht, dient keinem Liebesersatz und ist nicht Ergebnis industrieller Tierproduktion. Es ist einfach da und es ist tot.-