Zur Geschichte der Burg Klempenow

Burg Klempenow gehört zu den ersten adligen Niederlassungen in der Zeit der deutschen Besiedlung unserer Region.

Besonders in der Gefolgschaft Herzog WARTISLAUS III. sind seit 1236 viele Deutsche auf seiner Burg Demmin. Die deutsche Besiedelung wird von den Pommernherzögen konsequent betrieben. Die Deutschen kommen aus Niedersachsen, dem Harzvorland, Holstein und der Altmark. So ist auch das niedersächsische Geschlecht derer von HEYDEBRECK im Jahre 1254 erstmals im Tollenseraum erwähnt.

In diese Zeit wird die Erbauung der Burg Klempenow als Niederungsburg auf einer Schwemmsandinsel mit einem geschlossenen Innenhof, umgeben von Mauer und Wehrgang, datiert.

Die Zugehörigkeit unseres Gebietes zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation beweist für 1331 eine Urkunde des Papstes Johann XII., in der die Pommernherzöge mit Burg Klempenow belehnt werden. Die HEYDEBRECKs sind als Lehnsherren mit der Burg Klempenow bis ins 16. Jahrhundert verbunden. Darüber gibt eine ausführliche Genealogie Auskunft. Hervorzuheben sind JOACHIM I. von HEYDEBRECK, der sich in Zeiten großer Unsicherheit (Ende des 14. Jh.) an zahlreichen Raubzügen beteiligte, und besonders sein Sohn HEINRICH IV. von HEYDEBRECK. Er war Ratgeber des Herzogs von Pommern-Stettin (1434-51) und ein hochgeachteter Mann seiner Zeit. Es ist zu vermuten, daß unter ihm bauliche Veränderungen in Klempenow vorgenommen wurden. An der Wehrmauer nach Norden entstand ein großer Ständerbau, der mit dem Turm noch keine Einheit bildete. Schon wenige Jahrzehnte später wurden die Ständer mit einer Backsteinwand um- und überbaut sowie der Verbund mit dem Turm hergestellt. An der Wehrmauer entstanden noch andere Gebäude. Einiges ist noch deutlich sichtbar, anderes für immer verloren.

Ihre besondere strategische Lage verwickelte die Burg Klempenow in fast alle Kriege der Jahrhunderte. 1470 wurde Kurfürst Albrecht von Brandenburg von Kaiser Friedrich III. mit den Ländern Stettin und Pommern belehnt. Auf der Grundlage eines Friedensschlusses mit den Pommernherzögen in Prenzlau 1472 erhielt er auch Burg Klempenow. Herzog BOLESLAW X. (1472-1523) widersetzte sich und erreichte die Befreiung von der Lehnsherrschaft Brandenburgs und damit die "Reichsunmittelbarkeit". 1494 wurde in Klempenow von Bischof Benedicto von Cammin eine kleine Kapelle mit dem Namen "Zu den heiligen fünf Wunden" geweiht. Es war die Zeit der Pestepidemien. Die Frömmigkeit war groß. Neue religiöse Sekten entstanden. Die Reformation formiert sich als Gegenreaktion. Durch BUGENHAGEN wird sie um 1530 in Pommern eingeführt. Religiöse Auseinandersetzungen in den folgenden Jahren kündigen den 30jährigen Krieg an. Von Klempenow wissen wir aus dieser Zeit nichts zu berichten.

In den Auseinandersetzungen des 30-jährigen Krieges wird Klempenow 1631 von den Schweden erobert. Noch auf dem Schlachtfeld von Lützen verleiht der schwedische König Gustav Adolf seinem Generalfeldmarschall DODO von KNYPHAUSEN 1632 Klempenow als Pfandlehen. Der hielt sich auch schon vorher hier auf, verlor er doch in Neubrandenburg die Schlacht gegen Tilly. Mit DODO von KNYPHAUSEN tritt eine schillernde Familie über drei Generationen die Herrschaft in Klempenow an. Viele Zeugnisse sind aus diesem Zeitraum erhalten und entwerfen ein farbiges Bild der Zeit. DODO, ANNA von SCHADE, ENNO ADAM, OCCA RIPERDA, GRAF von MELLIN und KÖNIGIN CHRISTINE von SCHWEDEN bestimmten die Geschicke von Burg Klempenow. In ihre Zeit fielen große Zerstörungen der Burganlage, es wurde aber auch neu aufgebaut. Der Turm wurde zum Wohnturm umgebaut, Gewölbe- und Fenstereinbauten erfolgten, neue Gebäude entstanden.

Als um 1700 der Nordische Krieg ausbrach, gehört Klempenow durch eine Generalreduktion wieder vollständig der schwedischen Krone. Mit dem Friedensvertrag von Stockholm 1720 wird Klempenow preußisch, königliches Amt und Domäne. Im Siebenjährigen Krieg (1755-62) ist Klempenow bereits wieder hart umkämpft. Danach verliert es an Bedeutung. Die Domänenpächter nehmen ihre Wohnung auf der Burg, noch gibt es die Amtsarchive sowie Brauerei und Branntweinbrennerei, ein besonderes Privileg. Eine lange Liste von Pächtern und Amtsleuten ist nachweisbar. Alte Familien wie Wüstenberg, Berlin, Fleischmann oder Bruhn werden aufgeführt. Klempenow taucht als Weißen Klempenow auf wegen seines weißgekalkten Turmes.

Als 1812 französische Truppen Vorpommern besetzen, hält sich Ernst Moritz Arndt für kurze Zeit in Klempenow auf. 1818 gehört Klempenow verwaltungstechnisch zu Demmin. 1831 wütet eine Choleraepidemie in der Gegend. Die schlechten Lebensbedingungen lösen hier wie im ganzen Land eine Ausreisewelle nach Amerika aus. Auf Burg Klempenow wird ein bürgerliches Leben geführt, von dessen vielen interessanten geschichtlichen Details wir nur weniges wissen.

1900 wird ein wichtiges Gebäude an der Nordwestecke der Anlage wegen Baufälligkeit abgerissen, das neue Gutshaus wird errichtet. 1945, nach Ende des 2. Weltkrieges, befindet sich für kurze Zeit die sowjetische Kommandantur auf der Burg. Ab 1947 leben Umsiedler in den Gebäuden der Burganlage. Bis zu 14 Familien fanden notdürftige Bleibe. In den 50er Jahren beginnt auf eigene Initiative der Ausbau von bescheidenen Wohnungen. Es entwickelt sich das ganze Spektrum DDR-gemäßen Wirtschaftens und Lebens. 1991 übernimmt KULTUR-TRANSIT-96 e.V. nach Vorarbeiten und Verhandlungen mit der Treuhand schrittweise die Burg auf Pacht von der Gemeinde und beginnt mit Sanierung und kulturellen Veranstaltungen.