Gebrochen die Mauern - zerfallen der Turm!
Die Hallen durchfahren von Wetter und Sturm


Ruine Vest Landskron Im südwestlichen Winkel des Landkreises Ostvorpommern liegt ziemlich entfernt von dern belebten Landstrassen im Wiesentahl des Landgrabens die Burgruine Landskron. Alte Eichen umrauschen sie. Flüsternd im lauen Sommerwinde, flagen im brausenden Sturm des Winters, geben sie jahraus, jahrein ein Lebensbild der stummen Trümmern, die sie mit schützenden Armen umschließen: Wie der Eichbaum, so stark und schön entstand hier vor Jahrhunderten ein Schloss;

hoffnungsreich blühte in demselben ein stolzes Geschlecht, aber als in schwerer Zeit Kriegsstürme durchs Land brausten, fuhr alle Herrlichkeit dahin.

Was du heute findest, sind hochauftragende Ruinen, die hilflos das Schicksal antrotßen. Aber sie sind schön, und die weite Umgebung ist stolz auf die mächtigen Trümmern ihrer Burg Landskron.

Zwischen dem Burgplatze und dem 3 km nördlich davon liegenden Neuendorf stand in den älteren Zeiten ein wendisches Dorf, das den Namen Damerow führte. Eine Ackerstelle in jener Gegend heißt heute noch "Damerower Kirchhof".

Von den Dorf ist längst keine Spur mehr vorhanden, aber er muß eine ziemliche Bedeutung gehabt haben, denn als das Christentum in Pommern Eingang gefunden hatte, wurde in Damerow eine Kirche erbaut, die auch von den Neuendorfern und Janowern besucht wurde. Der Pommernherzog Bogislaw I. überwies die Einkünfte des Dorfes 1183 dem an der Peene gelegenen Kloster Stolp. Von dieser Zeit ab decken fast 300 Jahre einen dichten Schleier über das Schicksal Damerows. Diese Zeit aber, in der selten Frieden im Lande herrschte, scheint Damerow den Untergang gebracht zu haben. Eine Urkunde aus dem Jahre 1450, in welcher Herzog Joachim dem Heinrich von Hendebreck auf Weißen­ Klempenow (4 km entfernt) Damerow als Erbe übergibt, erwähnt nur die Feldmark des Dorfes. 1533 wird in einem Lehnbrief Philipps an das Geschlecht derer von Schwerin der Damerower Bezirk als "wüste Feldmark" bezeichnet. Soviel steht fest: der Name "Damerow" ist längst verklungen, und die wenigsten der Bewohner jener Gegend haben Kunde von dem verschwundenen Dorfe oder seinem Namen.

Unter den Herren von Schwerin, denen 1533 der Lehnbrief ausgefertigt wurde, befand sich der herzogliche Rat Ulrich von Schwerin aus Spandekow, ein Mann von ganz hervorragendem Einfluß, ein Wismark am pommerschen Fürstenhofe. Als Herzog Philipp 1560 starb, hatte Ulrich von Schwerin die vormundschaftliche Regierung für die minderjährigen Söhne desselben. Damit war er unter dem Titel "Großhofmeister" zur höchsten Staatswürde im Herzogtum Pommern­ Wolgast emporgestiegen, und in derselben verblieben er bis zu seinem Tode.

Bei der dann folgenden Erbteilung erhielt sein jüngster Sohn, der ebenfalls Ulrich hieß, Janow, Neuendorf, Rehberg und Damerow. In dem Gebiet des letzteren lag in den Wiesen ziemlich dicht am Landgraben ein flacher Hügel, der in alter Zeit scheinbar von Menschenhänden hergestellt und befestigt worden war. Ruine Vest LandskronDieser Platz gefiel den neuen Herrn so sehr, daß er 1576 hier mit dem Bau einer Burg begann, die ihresgleichen im Lande nicht finden sollte, 1579 war sie vollendet und der stolze Name Landskron krönte das Werk. Allein diese Namensgebung verschnupste arg am herzoglichen Hofe, und Ulrich von Schwerin soll so nachdrücklich auf diesen Schnupfen reagiert haben, daß er sofort eine Änderung in den gleichklingenden Namen Lanzkron vornahm. Die Burg sollte danach nicht mehr Krone des Landes, sondern Krone oder Siegespreis der Lanze sein, die ihm, dem vierzigjährigen schwedischen Hauptmanne, soviel eingebracht hätte, daß er die Burg hatte erbauen können. Wäre diese Annahme richtig, so hätte Ulrich auf seiner Steintafel über dem Burgtor nicht den Namen "Landeskron" geführt, denn diese Tafel ließ durch die darauf befindliche Jahreszahl 1586 vermuten, daß sie erst sieben Jahre nach der Vollendung des Baues angefertigt wurde, und da sollte doch die Wirkung jenes herzoglichen Schnupfens hier zum Ausdruck gekommen sein. Wahrscheinlich ist aber, daß die Herzöge in eifersüchtiger Selbstherrlichkeit den hochklingenden Namen meuchlings in einen sonderbaren verwandelt haben. Die schwedische Regierung nannte spöter die Burg in ihren Urkunden stets "Landeskron".

Steintafel ­ so sah sie villeicht ausDie eben erwähnte Steintafel ist leider verschwunden. Vor einigen Jahrzehnten befand sie sich noch an ihrem Platze, dann soll sie heruntergefallen und zerbrochen sein. Merkwürdiger bleibt in diesen Falle, daß die Bruchstücke nicht aufbewahrt worden sind. Es wird aber auch behauptet, der Stein sei trotz seiner Größe heimlich entwendet worden, und in der Umgebung ist das Gerücht verbreitet, es sei eine hohe Belohnung für den ausgesetzt, der den Verbleib der Steines nachweisen könne. Die Platte zeigte nach einer Beschreibung in der Familienchronik derer von Schwerin auf Janow die Reliefbilder des Erbauers und seiner Gemahlin Katharina von Waldenfels, sowie die Wappen beider Familien, außerdem berichtete sie in einem langen, unbeholfenen Poem, was Ulrich von Schwerin der Nachwelt zu überliefern für nötig hielt. Ob die Abschrift oder die Übersetzung richtig ausgefallen ist, möchte man wegen der Schwerfälligkeit und Unverständlichkeit des Textes fast bezweifeln. Außer dieser Dichtung enthielt der Stein einen Mahnruf des Erbauers an seine Söhne mit der Überschrift "Pater Udalricus ad filios 1586". Der lateinische Satz lautet ins Deutsche übertragen: Das Haus, daß der allmächtige Gott aufgeführt hat, ­ Das schmücket, o Söhne, mit dem wahren Glauben! ­ Dann wird Euch, wenn der Herr wiederkommt, die Krone verliehen werden ­ Der Gerechten, die seine Macht zerbrechen kann.

Ja, der das Schloss erbaute, der seine Wünsche und Hoffnungen dem Stein einmeißeln ließ, träumte eine große Zukunft, aber das Schicksal verwirklichte seine Träume nicht.

Als Ulrich von Schwerin seine Burg fertig hatte, scheint er in aller Ruhe und Beschaulichkeit dem Laufe der Dinge entgegengesehen zu haben. Nie tritt er in der Heimatgeschicht hervor, nie wird seine Burg genannt, nicht einmal das Jahr seinen Todes kennt man. Von seinen beiden Söhnen erbte Georg Ernst die Landskroner Güter (der Bruder bekam Hohenbrünzow bei Demmin). Von Georg Ernst berichtet bloß eine Urkunde, aber darin handelt es sich um eine Anleihe, die er 1612 bei seinem Verwandten Joachim von Schwerin auf Putzar gemacht hatte. Er empfing 700 Fl und verpfändete dafür sein Ackerwerk Boldentin. Georg Ernst hinterließ einen Sohn namens Ulrich Wigand und eine Tochter Anna.

Ulrich Wigand starb 1651 ohne Leibeserben, und seine Güter kamen in den Besitz seiner Schwester Anna, die mit dem schwedischen Rat von Anrieppe vermählt war. So war schon nach 73 Jahren die nännliche Linie des ersten Schlossherrn erloschen, und durch die Enkelin desselben kam die stolze Burg in die Hand eines fremden Geschlechts. Nicht lange mehr! Eine Tochter der neuen Herrschaft, Agnes von Anrieppe, verheiratete sich mit einem Jürgen von Pentz, und mit diesem zog der letzte Herr in die kaum 75 jährigen burg. Durch ihn war ihr Schicksal besiegelt. Er brachte die Landskroner Güter in große Verschuldung und ließ die Gebäude verfallen. So klagte Pastor Jaster in Iven, zu dessen Kirchspiel die Kapelle auf dem Burghof gehörte, in einem Bisitationsberichte aus dem Jahre 1661 (Im Ivenschen Kirchenarchiv vorhanden) daß Herr von Pentz seine Pflichten als Patron der Schlosskapelle so vernachlässigte, daß das Gotteshaus gänzlich verfalle, und das es nicht mehr möglich sei, dasselbe zu benutzen. Das Ivensche Kirchenbuch berichtet später, daß dem Herrn von Pentz 1668 auf Landskron ein Sohn geboren sei. Dasselbe Ereignis findet sich im Jahre 1683 vermerkt mit dem Unterschiede, daß dieser Sohn in Neuendorf zur Welt kam. Wahrscheinlich hatte die Familie in der Zwischenzeit den unbewohnbar gewordenen Herrensitz verlassen und in dem dazugehörigen Dorfe Unterkunft gesucht. in dieser Zeit aber fielen auch die Kämpfe des Großen Kurfürsten mit den Schweden in Pommern. Vielleicht waren diese nicht ohne verderblichen Einfluß auf das Schicksal der Burg.

Ruine Vest LandskronGenug, von Pentz hatte das Schloss verlassen, daß nach kaum hundertjährigem Bestehen unbewohnbar, dem Verfall geweiht, in die Hände zahlreicher Gläubiger fiel.

Erst 1699 wurde es daraus befreit. Oberstleutnant Philipp Julius von Schwerin (ein Neffe des 1679 verstorbenen kurfürstlichen brandenburgischen Ratgebers Otto von Schwerin) kaufte für 13.000 Taler den Landskroner Besitz, überließ die Burg dem Verfall und richtete seinen Wohnsitz in dem 2½ km entfernten Rehberg ein. Ein Herrenhaus stand da vor einigen Jahren noch als simpler zweistöckiger Fachwerksbau, der, vom Gutsstatthalter bewohnt, in den meisten Räumen unbenutzt war. Philipp Julius gründete die Linie Rehberg. Sie blüht noch heute, hat aber ihren Wohnsitz seit langer Zeit in Janow, wo der jetzige Besitzer, Graf von Zieten Schwerin Wustrau, 1877 ein stattliches Schloss erbaute, das mit seinen hohen weißen Turm weit ins Land hineinschaut.

Mehr als zweihundert Sommer haben die Burg nun schon mit Unkraut und wilden Gestrüpp beschüttet und Menschenhand mußte dafür sorgen, dass sie nicht gänzlich davon überwuchert wurde, mehr als zweihundert Winter haben einen Stein nach dem anderen abgebrochen, ein Gewölbe, einen Bogen nach dem anderen gestürzt, aber dennoch markieren hohe feste Mauern genau den Bauplan der ganzen Burg. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich beim Anblick der Ruinen das Bild vorgaukeln zu können, welches Ulrichs Burg nach der Vollendung des Rohbaues bot.

Nur ein einziges Gebäude ist bis auf einen kleinen Mauerrest verschwunden. Das ist die Küche, in der für die dienenden Burginsassen gekocht wurde. Es wurde niedergerissen weil sie Platz machen mußte für den "Burgkrug", der hier 1852 erbaut wurde. Er besteht aus einer einfachen Wohnung und einem kleinen Sall, und der Wirt ist im Hauptamte Wächter über die Ruine und die umliegenden Ländereien. Der kleine Saal hatt in einer Wand einen eisernen Kamin mit der Inschrift "Ulrich von Schwerin 1579". Das ist der einzige Zeuge der inneren Einrichtung jener stolzen Burg. Alle Baulichkeiten vom Schloss bis zur Burgmauer, welche noch heute den ganzen östlichen Halbbogen 3 m hoch umschließt, sind aus "Findlingen" aufgeführt, die mit kleinen Steinen und Backsteinbrocken verzwickt wurden. Tür und Fensteröffnungen, Bogen, Wölbungen und Treppenstufen sind durchweg aus Mauersteinen.

Die ganze Anlage der Burg ersteckt sich im Langrund von Osten nach Westen. Im Osten steht der "Burgkrug", vor demselben liegt der geräumige Burghof, auf dem man links, ziemlich nahe der südlichen Mauer, die verfallende Burgkapelle erblickt, von drüben aber scheinen die hochragenden Wände und die massigen Türme der Schloßruine durch das Gezweig hoher Bäume. Dahinter liegt die als Abschluß der Anlage im Westen ein kleiner Eichenhain mir den Überresten von drei Bastionen, welche dem Schlosse in dieser Richtung Schutz vor dem anstürmenden Feinde bieten sollten. Von Norden her mündet, der Kapelle gegenüber, der Torgang auf dem Burghof. Das Burgtor ist ziemlich einfach gehalten, die Ansicht ohne nennenswerte Verzierungen. Die Einfahrt erscheint niedrig, über derselben sieht man eine fast türgroße Öffnung im ersten Stockwerk und eine Fensteröffnung im zweiten. Erstere hielt die erwähnte Steintafel, letztere scheint einem kleinem Wächterzimmer Licht gespendet zu haben. Sie ist von zwei hölzernen Stielen eingefaßt, die wie der Steinbau, einem zweihundertjährigen Verwitterungsprozeß standgehalten haben. Ruine Vest LandskronDer Torgang wird von Westen her durch ein Gebäude begrenzt, welches, nach der vorhandenen Schornsteinanlage zu schließen, als Wohnung gedient hat, vielleicht den Burgmannen oder dem Gesinde. Die Ostgrenze bildet der Pferdestall. Beide Gebäude sind zweistöckig und die hier entsprechend erhöhten Burgmauern bildete ihre nördlichen Außenwände. Die unteren Räume erhielten ihr Licht vom Burghof her, die Etage hatte Fenster nach außen. Über dem Pferdestall befanden sich scheinbar Scheunen und Speicherräume, erreicht wurden dieselben durch eine steinerne Wendeltreppe, deren Reste am Ende des Torganges in einem Rundbau noch deutlich zu erkennen sind. Das mit einem tiefen Graben ganz umzogene Schloß ist in einem Abstand von kaum 2 m mit einer niedrigen Mauer umgeben. Es besteht aus einem zweistöckigen Hauptbau, dessen Ecken durch gerade dreistöckige Türme begrenzt sind, und aus einem zwischen den beiden östlichen Türmen in der ganzen Schlößbreite mächtigen hervortretenden Portale. Zwischen den beiden nördlichen Türmen springt das Treppenhaus vor, in dem eine zum Teil noch heute besteigbare Wendeltreppe vom oberen Stockwerk bis in den Keller hinabführte. Der südöstliche Turm ist restauriert und in seinen drei übereinanderliegenden Räumen zugänglich. Zwei Balkone ermöglichen einen Überblick über die Ruine. Unten in diesem Turme befindet sich das Burgverließ, in das man von außen hinabschauen kann. Unmittelbar vor dem auffallend weiten Schlosseingang reicht das starke Mauerwerk steil bis in den Graben hinab. Ihm gegenüber erblickt man eine Felsenmauer, welche der Zugbrücke zum Auflager diente. Außer dem Graben um das Schloss findet sich ein zweiter, der die ganze Burg, also auch den Schlossgraben, umfaßte. Beide erhielten ihr Wasser aus dem Landgraben, welcher noch vor einigen Jahren ziemlich dicht an Landskron herankam. Jetzt ist der Bogen durch ein Torfkanal ausgeglichen, der über 100 m von der Burg entfernt ist. In dem umfangreichen Bau hat nur ein einziger Baum dem Sturm der Jahrhunderte ohne Schutz getrotzt. Er liegt in der östlcihen Kellerwand neben dem nordöstlichen Turme und erscheint als kleine gewölbte Kellerkammer von ungefähr 2½ qm Bodenfläche. Welchen Zwecken diesr Raum wohl dienen sollte? War er Gefängnis? Bot er vielleicht einen sicheren Ort für gefährdete Familienschätze? Oder diente er nur der Küche als ganz besonders kühle Speisekammer? Wer soll das heute noch verraten?

Das so imposante Ruinen, wie die von Landskron, als Zeugen alter Ritterherlichkeit die Volksphantasie zu allerei Märchenbildungen reizen, ist natürlich, erklärlich ist auch, dass Geschichten, die in hundert anderen Burgen passiert sein sollen, ebenfalls von Landskron erzählt werden.

Im Volke ist es eine feststehende Tatsache, daß diese Burg ein Raubnest ersten Ranges war. Man weiß nichts von dem Leben und Treiben der mittelalterlichen Ritter, von ihren kleinsten und größeren häuslichen und wirtschaftlichen Sorgen, man trennt. z.B. den Dietrich von Dnitzow und seine Genossen von der Schule her nicht als Männer, die in ihrem verworrenen Zeitalter das Recht übten, das ihnen die damalige Zeit aufzwang, sondern als Straßenräuber schlimmster Art. Darum nimmt man dem Volke ein Stück Romantik, wenn man einen mittelalterlichen Burgherren nicht zugleich Straßenräuber sein läßt. Also ­ Landskron hatte auch seine Raubritter.

Ruine Vest LandskronDie fühlten sich in ihrem abgelegenen Winkel außerst wohl. Hier konnten sie ungestört und sicher wohnen, von hier konnten sie aber auch unversehens hervorbrechen, wenn es galt, wertvolle Transporte zwischen Anklam, Demmin Jarmen, Teterow und Friedland abzufangen. Der erste Ritter hatte noch sechs Brüder, die natürlich auch das ehrenwerte Geschäft eines Raubritters betrieben. Zwei davon wohnten ganz in der Nähe. Der eine hauste 4 km nordwestlich in der Burg Klempenow mit ihrem heute noch viel bewunderten "Fangeltürme" der andere 4 km südwestlich im Wodarger Holz, unweit der Tollense, wo man starke Mauerreste eines längst verfallen Schloßes Gonerow vorfindet. Mit einem "golden Horn" gaben sie sich gegenseitig Signale, santen sie Grüße und sonstige Lebenszeichen von Haus zu Haus, den die Hörner hatten einen möächtigen weittragenden Ton. Sie waren zu Babarossas Zeit türkischen Wächtern abgenommen und als Gnadenbezeugung einem tapferen Ahnherrn unserer Raubritter verliehen worden. Wehe dem Kaufmann, der das Revier dieser sauberen Brüder durchstreifte! Entkam er glücklich dem einen, so hatte ihn sicher der andere, der durch Signale auf sein kommen vorbereitet war. Einmal fing der Landskronsche einen Transport Kupferplatten ab, mit denen die Anklammer ihren neuen Kirchturm eindecken wollten. Er ließ sich aus dem Raube eine Fallbrücke über seinen Burggraben anfertigen. Das Fallen derselben verusachte ein Donnergetöse, das in Anklam gehört wurde. In der Nähe muß er fürchterlich gewesen sein, denn die Stadt ist 23 km entfernt! Unser Ritter besaß eine Fülle angeborener Schäue! Wenn er belagert wurde, ließ er sein Pferd mit umgewandten Eisen beschlagen, und seine Feine waren dumm genug, aus den verkehrten Pferdespuren verkehrte Schlüsse zu ziehen. Ritt er in die Burg hinein, so zeigten die Pferdetritte hinaus, und der Feind vermutete ihn draußen. Anderseits glaubten sie ihn sicher im Schloss, wenn er draußen umherschweifte. Als sie ihn da eines Tages mit leibhaftigen Augen im Walde erblickten, während er nach den Pferdespuren in der Burg sein mußte, da glaubten sie, sein Geist gehe um, und mit Grausen zogen sie ab!

Und heute? Allmächtig, wenn am Firnament die Sterne ihre fernen Bahnen ziehen, wenn zur mitternächtlichen Stunde gespenstig Schatten durch die hohen Ruinen schweben, dann zerrt es an rasselnden Ketten, dann klagt es, dann stöhnt es dumpf und eintönig im Burgverließ. Das sind die Geister der armen Gefangenen, die hier vor Jahrhunderten verdarben!