Maikäfer fliege! Dein Vater ist im Kriege,
deine Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt!

Der traurige-hintergründige Kinderreim aus uralter Zeit wird lebendig, wenn wir die Ruine von Burg Landskron besuchen.

Die Ruine mit ihren vier Rundtürmen wirkt in ihrer Gesamtanlage erstaunlich groß, und der Besucher ist mitunter zunächst enttäusch, weil das alte Gemäuer wie ein ausgebranntes Hotel aussieht. Wuchtige Konglomerate aus Feld- und Backstein, kein künstlerisch gestalteter Sandstein! Und doch wirkt das alte Mauerwerk romantisch zusammen mit den herrlichen Kastanien- und Eichenalleen, die von Janow zur Burg emporführen.

Die Backsteine der Burgen und Schlösser in Norden unserer Heimat waren anfällig gegenüber der Verwitterung und sind oft spurlos vom Erdboden verschwunden. Auch die Grafen- und Fürstengeschlechter sind meist der Vergessenheit anheimgefallen. Wer gedenkt noch der pommerschen Herzöge, die in Pudagla, Eldena, Wolgast und anderswo begraben sind.

Es waren immerhin nicht weniger als zehn Wartislawe, vierzehn Bogislawe, zwölf Barnime und zehn Kasimire. Die Schwerins waren eines der ältesten Grafengeschlechter Pommerns. Sie zählen im 17. Jahrhundert etwa 24 Linien und waren auch über Mecklenburg, Brandenburg, Polen und Schweden verstreut. Die Namen der Burgen und Geschlechter sind uns heute, " wie in leere Luft gehaucht! ".

Burg Landskron lag an der Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg und wurde 1576 von Ulrich II von Schwerin erbaut. Bereits der Name " Landskron " wird von der Sage angezweifelt. Der Pommernherzog soll mit dem stolzen Namen der Burg nicht einverstanden gewesen sein. Daraufhin habe Ulrich von Schwerin sie " Lanzkron " genannt, weil er die Mittel zur Erbauung der Burg durch seinen Dienst mit der Lanze erworben habe. Er hatte dem Herzog von Mecklenburg Heeresfolge geleistet

Der Berühmteste von Schwerin, Graf Kurt Christoph von Schwerin, stand zwei Jahrhunderte später im Dienst des preußischen Königs Friedrich II. Er sollte den General Friedrich II, eine der populärsten Gestalten des Siebenjährigen Krieges werden.
Als er 1757 fiel, sagte der König: "Der Marschall von Schwerin war allein mehr wert als 10.000 Mann. Sein Tod macht die Lorbeeren des Sieges welken: Sie waren durch zu kostbares Blut erkauft. " Friedrich II ließ dem Marschall Schwerin ein Denkmal aus weißem Marmor auf dem Wilhelmplatz in Berlin setzen. Später urteilte Friedrich II über die Pommern in seinem politischen Testament.
"Die Pommern haben etwas Ungekünsteltes. Sie würden nicht ohne Geist sein, wenn sie besser gebildet wären. Niemals aber werden sie schlau und verschlagen sein. Der gemeine Mann ist argwöhnisch und hartnäckig. Sie sind eigennützig, aber weder grausam noch blutdürstig, und ihre Sitten zumeist sanft. Man bedarf also keiner Strenge, um sie zu regieren. Sie geben gute Offiziere und vortreffliche Soldaten ab. Manche leisten im Finanzfache ziemlich gute Dienste. Vergebens aber würde man aus ihnen politische Unterhändler machen wollen."

Pommernburg Landskron erhebt sich auf einem inselartigen festen Grund inmitten sumpfiger Wiesen. Über eine Zugbrücke - der Sage nach aus Kupfer - gelangte man in den äußeren Burghof mit Burgkapelle, Knappenhaus und Pferdestall. Eine zweite Zugbrücke führte zum Hauptgebäude der Burg mit dem Remter (Festsaal) und zahlreichen Gemächern. Der Hufschlag der Pferde habe auf der Kupferbrücke "wie Donner meilenweit ins Land" geklungen. Drohte der Burg die Gefahr der Belagerung, wurde das Wasser im Burggraben aufgestaut.

Burg Landskron verlor im Deißigjährigen Krieg seine Bedeutung. Die Dörfer rings um Landskron gingen in Flammen auf. Das Dorf Damerow verschwand völlig vom Erdboden, auch die Janower Kirche wurde ein Raub von Flammen. Den Ehemännern der Enkelinnen des Ulrichs von Schwerin wird schlechte Wirtschaftsführung nachgesagt. Schließlich fehlten die Mittel, die große Burg zu erhalten. Oberstleutnant Philipp von Schwerin verlegte 1699 seinen Wohnsitz nach Rehberg in ein bescheidenes kleinen Haus.

Die Burg war nun dem Verfall preisgegeben. Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurden im Burghof alljährlich Missionsfeste durchgeführt. Heute trifft man oft Zeltler auf Burg Landskron. In Neuendorf steht ein schönes altes Haus mit zwei hohen Lindenbäumen. Es ist der Gasthof "Zur Linde". Hier bewirten der Lindenwirt Kurt Rost und seine Ehefrau Henni vorzüglich die Gäste. Die Familie Rost ist nachweislich seit 1744 hier ansässig.

Das nahegelegende Janow machte kürzlich durch die Ausgrabungen eines germanischen Urnengrabes mit vielen Grabbeigaben aus dem 2. Jahrhundert auf sich aufmerksam.

aus dem Buch
Vorpommern, Begenungen mit Land und Meer - von Ingeborg Lohfink, erschienen im Hinstorff-Verlag Rostock